Nicht einmal 24h nach der knappen und dennoch verdienten Niederlage und somit dem Ausgleich in der Best-of-three Serie kam es zum alles entscheidenden, dritten Duell zwischen den Traktoren und dem UHC Wehntal Regensdorf. Wie zwei Wochen zuvor konnte sich der Zweitligist auf lautstarke, wilde und euphorische Zuschauer in der Chapf-Arena verlassen. Die neu eingeweihte Halle ist innert kürzester Zeit zum Heimtempel avanciert, in welchem die Traktoren natürlich weiter ungeschlagen bleiben wollten.
Traktor 1 vs. UHC Wehntal Regensdorf 10:6 (2:3/6:1/2:2)
Ungleich des Vortages, dafür wie im ersten Heimspiel, zeigten sich beide Teams zunächst vorsichtig und um Kontrolle bedacht. Die bedeutungsschwere dieses Spiel war beinahe greifbar in diesen Anfangsminuten. Erfreulich jedoch, dass man im Gegensatz zum Samstag konzentrierter und präziser startete und so nicht bereits in der Startphase unter Druck kam. Es dauerte denn auch bis zur 9′ bis der Gast aus Regensdorf ein erstes Mal jubeln konnte und den Torreigen dieses Nachmittags eröffnete. Bis auch die Traktoren reüssieren konnten dauerte es einige Zeit und benötigte ein paar gute Abschlüsse, doch in der 17′ war es soweit. Doch der Zeiger der Uhr drehte sich kaum einmal um 360 Grad, als Regensdorf einen herrlichen Querpass durch die Zonenverteidigung spielen konnte und den Direktschuss ins Tor bugsierte – 1:2. Etwas, das man in der Vorbereitung unbedingt verhindern wollte, kassierte man bislang in den beiden Duellen zu oft direkte Gegentreffer auf eigene Torerfolge. Besser kam es dann auch nicht, als bei einem Freistoss die Zuordnung nicht gänzlich stimmte und die weiss gekleideten Gäste mit zwei Toren davon ziehen konnten. Schlimmeres verhinderte man noch mit einem schönen Buebetrickli kurz vor Drittelsende.
Alles noch im Lot, die Pause gab Zeit um Feinjustierungen zu treffen. Eine solche trug dann wohl in der 26′ erste Früchte. Nach einem Ballgewinn verharrte man geduldig hinter dem gegnerischen Tor und wartete auf den richtigen Moment für den Pass. Die Zürcher Hintermannschaft schien ungeordnet, denn der hereineilende Rechtsschütze konnte den getimten Pass vors Tor zum vielumjubelten Ausgleich versenken. Das war der Startschuss zu einem fantastischen Mitteldrittel. Im Anschluss ergab sich die Chance in Überzahl zu agieren, dies nachdem ein Traktor nur noch mit einem einhändigen Stockschlag am Abschluss zu hindern war. Erinnerungen an das Spiel des Vortages kamen hoch, als man in der ersten Überzahl des Spiels so gar nicht souverän wirkte und sogar den Shorthander kassierte. Doch an diesem Sonntag schien das Powerplay wie ein umgedrehter Handschuh. Der Ball lief wie am Schnürchen und die Zürcher Hintermannschaft konnte nichts ausrichten gegen den erstmaligen Führungstreffer der Traktoren. Getragen von der Stimmung folgte die 32′: der jüngste im Team spazierte über das halbe Feld, konnte den Ball quer legen und der freie Mitspieler wusste die Chance zu nutzen und erzielte das 5:3. Doch dem war noch nicht genug des Guten. Zwar ging das Bully verloren, doch ob des heraneilenden Traktor-Stürmers schien der Regensdorfer Verteidiger etwas überrascht und spielte diesem direkt in die Füsse. Die Kaltschnäuzigkeit dieses Nachmittags über alle drei Reihen des Heimteams liess denn auch keine Zweifel darüber, ob dieses Geschenk angenommen werden konnte oder nicht – 6:3. Dies veranlasste den Gast dazu bereits in der 33′ das Time-Out zu nehmen. Auch die Traktoren nutzten diese kurze Auszeit, um sich auf das vorzubereiten, was nun vom Gegner kommen sollte. Und dies gelang sehr gut, gefährlich wurde es weiterhin mehrheitlich vor dem Zürcher Tor. Ein cleverer Backhand-Tiefschuss, ohne Zweifel Zeuge eines langen Unihockeylebens (um nicht das Wort Team-Oldie zu bemühen), sorgte für das vermeintlich komfortable 7:3. Vermeintlich, da auch die Wehntaler noch einmal ein Tor zu erzielen vermochten. Mit 7:4 ging es aber nicht in die Pause, denn es folgte die 40′ und eine wunderbare Eckballvariante. Auf der weiter von der Bank entfernten Seite formierten sich die Traktoren geschickt so, dass ein Querpass durch die Box auf die Mittellinie eine valable Option bot. Der Torhüter ersetzt, ein vierter Feldspieler auf dem Bitz und ein herrlicher Abschluss ins Netz liess die Stimmung in der Halle explodieren. Mit dem 8:4 Treffer war alles angerichtet für ein riesiges, historisches Schlussdrittel.
Und dieses startete für die Traktoren wunschgemäss, als der Captain den Ball im Angriff behaupten konnte, in die Mitte zog und auch noch den Torhüter vernaschte. Die Vorentscheidung? Dagegen wehrten sich die Regensdorfer natürlich mit allen Kräften. Da half es ihnen, dass in der 44′ ein Weitschuss den Weg ins Tor doch noch fand. Dies sollte aber für einige Zeit die letzte gelungene Angriffsaktion sein. Aufopferungsvoll und mit viel Intensität kämpfte das Heimteam und konnte sich – wenn alle Stricke zu reissen schienen – auf den unglaublich stark agierenden Schlussmann verlassen, der einfach alles kratzte. Da half auch das Ersetzen des Torhüters durch einen vierten Feldspieler nichts, was die Regensdorfer ab circa der 50′ versuchten. Ein ums andere Mal scheiterten die Abschlüsse entweder am Block oder dann spätestens an der Wand im Tor. Brenzlig wurde es für die Mannen in rot so richtig in der 52′, als sich einer von ihnen auf der Strafbank wiederfand. Doch es kam nicht zur doppelten Überzahl, da die Wehntaler es zunächst mit drei gegen zwei versuchten. Doch weiterhin gab es kein Vorbei am Traktor-Bollwerk. Dies veranlasste das Gastteam, welches unter Druck stand, es doch noch mit einer doppelten Überzahl zu probieren, aber auch dies nützte an diesem Nachmittag nichts mehr. Die Unterzahl überstanden kämpften die Traktoren einfach weiter aufopferungsvoll im Kollektiv und verteidigten wie die Spartaner an den Thermopylen, warfen sich Mal um Mal in die Schüsse und atmeten erleichtert auf ob der MVP-Performance des Buchberger Schlussmanns: im Stile eines Genonis hexte dieser sich verdient zur späteren Best-Player-Wertung. Die Entscheidung gelang dann kurz vor Ende mit dem erlösenden Konter zum 10:5. Da brauchte es auch nicht mal mehr den Penalty 2′ vor Ende, welcher in der Wiederholung leider verfehlt wurde, nachdem der erste (erfolgreiche) Versuch vorzeitig vom Schiri unterbrochen wurde. Die Zeit war weitergelaufen und musste erst justiert werden. Sei’s drum dachten sich die Traktoren, mit dem grossen Ziel vor Augen kurz vor dem nahenden, erlösenden Ende. Das 10:6 war denn nur noch Resultatkosmetik, zu wenig Zeit befand sich noch auf der Uhr, zu souverän und abgeklärt kämpften sich die Traktoren hier in Richtung Schlusspfiff. Und so brachen sie an, die letzten 10 Sekunden dieses Spiels, dieser unglaublich spannenden und umkämpften Serie, dieser fantastischen Saison. 10, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 1 – wer nöd gumpt dä isch kein Traktor….. Die Schlusssirene ertönte, erlöste alle in der Halle, die es mit den Traktoren hielten und bedeutete gleichzeitig: Aufstieg!
Eine Saison, welche so durchzogen und unspektakulär begann, mit Höhen aber auch mit vielen Tiefen, mit einer katastrophalen Heimrunde, mit einem unglaublichen Lauf seit dem Jahreswechsel, mit dem Last-Minute-Einzug in die Aufstiegsplayoffs endete im maximal möglichen Erfolg. Umso schöner, dass es nach Jahrzehnten des Exils (Wil, Rafz, Andelfingen) möglich war in den eigenen Dörfern dieses unglaubliche Ziel zu erreichen. Das letzte Mal, als ein Herrenteam der Traktoren in der höchsten Kleinfeldliga zu gegen war, bestand diese noch aus 4 Gruppen, wurde noch in der alten Chapf-Halle Spiele zugelassen durch Swissunihockey, waren die meisten des heutigen „Eis“ noch Junioren dieser Erstliga-Helden. 20 Jahre sind ins Land gezogen. Nun selbst im Erwachsenenalter und nach jahrelanger Etablierung in der zweiten Liga gelingt nun, was während der Covid-Saison verwehrt wurde (Abbruch vor den Playoffs): Einzug in die Aufstiegsplayoffs und Sieg gegen den Erstligisten. Dies galt es gebührend zu feiern am Sonntag und dies tat man denn auch. Nach verdankenswerten Worten der Gemeindevertreter und einem schicken Präsent der Gemeinde ging man zum „gemütlichen“ Teil des Abends über. Mit Familie, Freunden, Bekannten und Verwandten wurde ausgiebig auf dieses tolle Erlebnis angestossen.
Zum Schluss gilt es noch sich bei einigen Stellen zu bedanken. Da ist zunächst natürlich unser Präsident Päde Röschli, welcher unermüdlichen Einsatz leistet für unseren Verein und uns ein so tolles Erlebnis organisierte. Da sind natürlich die ganzen Helfer, welche freiwillig im Einsatz standen, sei es am Grill, am Kiosk, beim Aufstellen, beim Aufräumen, etc. Da ist natürlich auch Rahel Häderli zu danken, welche unsere Verletzten und Leidenden pflegte. Natürlich auch unsere Fans und Zuschauer, welche nicht nur in den Heimspielen für eine würdige und unglaublich euphorisierende Kulisse sorgten, sondern auch im Auswärtsspiel der Mannschaft viel Kraft schenkten. Dies gilt auch für die Fans, welche uns während der Saison immer wieder Mal vor Ort unterstützten. Den beiden Gemeinden, welche diese wunderschöne Halle ermöglichten, welche hoffentlich für alle Vereine zu einem neuen Zuhause werden kann. Und zu guter Letzt natürlich dem UHC Wehntal Regensdorf für diese spannende, umkämpfte Serie, welche für sie leider mit dem schlechteren Ende ausging – Kopf hoch!
Weiter geht’s frühestens Ende Mai, wenn man sich ein erstes Mal im Grossfeld Cup mit Winterthur United (2. Liga GF) misst. Das Spiel ist noch anzusetzen, sobald mehr bekannt ist, wird dies natürlich an den üblichen Stellen kommuniziert. Bis dahin einen schönen Frühling und bis bald
Für’s 1, Cuche


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