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T1 – Hitchcock-Sieg im Playoff-Auftakt

Kein «Spiderman: Far from Home» auf Pro7, kein “Verstehen sie Spass?» in der ARD, kein Davos gegen Zug auf Mysports – nein, der Aufstiegsplayoff-Auftakt des Herren 1 lockte am vergangenen Samstag. Rund 250 Zuschauer folgten dem Lockruf zur Primetime: Neue Sporthalle, Unihockey vom Feinsten und tolle Atmosphäre. Als Gegner in die Höhle des Löwen kam für diese Affiche der UHC Wehntal Regensdorf. Die Wehntaler beendeten die reguläre Saison als Letzter der Gruppe 2 in der 1. Liga und müssen sich somit den Abstiegsplayoffs stellen. Auf der anderen Seite stand natürlich das Heimteam mit einer guten Saison im Rücken und dem grossen Ziel Aufstieg. Trotzdem war die Rollenverteilung vor dem Spiel klar, wollte man den Sieg holen musste schon alles zusammenstimmen.

Traktor 1 vs. UHC Wehntal Regensdorf 12:11 n.V. (2:2/5:4/4:5/1:0)
Rüdlingen. Zuschauer 250. Schiedsrichter F. Mattle.
Tor: S. Gehring, R. Gysel
Aufstellung: J. Graf, T. Jäger, A. Fehr; M. Kern, S. Kern (C), D. Fehr; L. Kern, G. Sigrist, S. Miscia; Gysel S.
Tore: 2. L. Kern (G. Sigrist) 1:0, 4. Regensdorf 1:1, 11. L. Kern (G. Sigrist) 2:1, 20. Regensdorf 2:2, 26. S. Miscia (L. Kern) 3:2, 26. Regensdorf 3:3, 28. Regensdorf 3:4, 36. Regensdorf 3:5, 39. S. Kern (M. Kern) 4:5, 40. T. Jäger (J. Graf) 5:5, 40. T. Jäger (J. Graf) 6:5, 40. L. Kern (S. Miscia) 7:5, 40. Regensdorf 7:6, 41. Regensdorf 7:7, 43. Regensdorf 7:8, 51. M. Kern (S. Kern) 8:8, 54. M. Kern (S. Kern) 9:8, 56. Regensdorf 9:9, 56. Regensdorf 9:10, 56. L. Kern 10:10, 56. L. Kern (11:10), 56. Regensdorf 11:11, 70. J. Graf (S. Miscia) 12:11
Strafen: Traktor 1 x 2′, Regensdorf 1 x 2′

Bereits nach 2’ stimmte denn auch alles zusammen auf Seiten der Traktoren. Ein Rückpass auf die eigene blaue Linie liess L. Kern viel Raum und Zeit um vorzupreschen, was dieser auch tat und mit einem satten trockenen Schuss von der Mittellinie brachte er die Halle ein erstes Mal zum Beben. Doch auch die Regensdorfer waren voll im Spiel, immer wieder setzten sie die Traktoren unter Druck. Noch brauchte das Heimteam etwas um auch in Playoff-Stimmung zu kommen und in den Zweikämpfen dagegen zu halten. Doch von Beginn weg konnte man sich auf die beiden Schlussmänner verlassen, wenn doch einmal alle defensiven Stricke rissen. In der 4’ konnte allerdings auch Torhüter S. Gehring nichts mehr ausrichten und musste ein erstes Mal hinter sich greifen. Ein schöner Lauf über die Aussen von G. Sigrist und die kurze Hereingabe liess dann wiederum L. Kern frei vor dem gegnerischen Goalie, was an diesem Abend immer wieder zum Verhängnis werden sollte – erneute Führung zum 2:1 in der 10’. Bis kurz vor dem ersten Break passierte zumindest auf der Resultattafel nicht mehr viel, doch beide Teams hatten ihre Chancen, welche aber nicht in Toren fruchteten. Erst ganz spät im Drittel brach ein Wehntaler auf den Aussen durch die Zonenverteidigung und konnte einen Schuss so platzieren, dass keine Abwehrchance mehr blieb. So gingen die beiden Teams mit einem 2:2 in die erste Pause.

Erholung war angesagt und eine kurze Besprechung, grundsätzlich war man gut im Spiel musste aber noch mehr in das Mindset Playoff-Hockey finden. Sprich härtere Zweikämpfe, schnellere Entscheidungen, weniger Reklamation. Und dies setzten die Spieler im zweiten Drittel direkt um. Getragen von den lautstarken Fans gelang erneut der Führungstreffer als S. Miscia beim Wechsel der Aufmerksamkeit der Wehntaler Hintermannschaft enteilte und, freigespielt von L. Kern, ganz alleine vor dem Gehäuse auftauchte und versenkte. Die Euphorie schien dann aber etwas zu gross: Beim Bully standen die Traktoren offensiv, obschon man praktisch Keines davon bislang gewinnen konnte. Dies strafte der 1. Ligist mit einem Querpass zum freistehenden Spieler und der Direktabnahme zum direkten Wiederausgleich. Es war eine seltene Szene, in welcher die Traktoren sich nicht clever anstellten. Ansonsten agierte man wirklich konzentriert und mindestens auf Augenhöhe. Leider gab dies den Regensdorfern etwas mehr Schwung und so konnten sie in der 27’ zum ersten Mal in Führung gehen. Doch sie nahmen sich gleich selbst den Schwung indem sie sich eine Strafe leisteten. Eine erste Überzahl Chance für das Heimteam, doch so richtig wollte es noch nicht gefährlich werden. So verstrich das Powerplay ohne nennenswerte Chance zum Ausgleich. Zeigen, dass sie es besser können konnten dann die Zürcher denn auch die Traktoren handelten sich eine Strafe wegen Stockschlags ein. Gefährlich wurde es zunächst jedoch auf Seiten des in Überzahl agierenden Teams als L. Kern seinen Weitschuss an den Pfosten setzte und somit fast den Shorthander erzielen konnte. Glück für die Zürcher und noch mehr Pech für die Schaffhauser: im Handumdrehen gelang dem Gast das 3:5 in Überzahl mit einem Slapshot von der blauen Linie. Ein erster «grösserer» Rückstand stellte die Traktoren vor die erste wirklich grosse Prüfung, was fast wie ein Turning Point in diesem Spiel sein konnte. Doch das Heimteam besann sich auf die Spielvorbereitung, wo man genau solche Situationen ansprach: das Spiel dauert lange, sehr lange. Und wenn man im Rückstand ist, egal wie viele Tore, etwas geht immer. So auch in der 39’, als S. Kern und M. Kern einen Doppelpass spielten, welchen S. Kern einschussbereit vor des Gegners Kasten brachte und dieser liess sich nicht zweimal bitten – Anschluss zum 4:5. Was danach folgte war Euphorie pur: getragen vom Publikum erzielten die Traktoren innerhalb weniger Zeit 3 weitere Tore und drehten das Spiel wieder zur 7:5 Führung. Ein platzierter Distanzschuss kurz vor der zweiten Pause sorgte dann für den knappen Pausenstand von 7:6.

Eine enge Kiste ging also in ein drittes Drittel, in welchem das Spiel entschieden werden sollte. Und es wurde noch knapper, noch enger, denn keine 10 Sekunden waren im Schlussabschnitt gespielt, da klingelte es bereits nach einem offensiven Ballgewinn und Querpass im Kasten zum 7:7 Ausgleich. Ein schneller Rush später und der Gast konnte in der 43’ das Score wiederum drehen. Ein ständiges Hin und Her, Führungswechsel hier, Chancen und Big Saves da. Den Zuschauern wurde alles für den Eintritt (gratis 😉) geboten, so auch in der 51’ als M. Kern zunächst der Ausgleich und in der 54’ das 9:8 Führungsgoal gelang. Immer weniger Zeit auf der Uhr bereitete immer mehr Spannung und Nervenkitzel auf dem Feld, aber wohl auch auf den Rängen. Noch zu wenig befanden jedenfalls die Traktoren, denn erneut musste man 2 Tore hinnehmen und die Führung wieder abgeben. Zunächst profitierten die Zürcher von einem Konter, welchen sie mit einem Weitschuss zum Ausgleich versenkten. Dann reagierten die Gäste nach einem geblockten Schuss schneller und netzten zur erneuten Führung ein. Einen abgefangenen Ball wusste L. Kern aber zum Ausgleich einzuschieben und machte dann kurze Zeit später sogar mit dem 5. persönlichen Treffer den vielumjubelten Führungstreffer zum 11:10. Dies veranlasste die Mannen in weiss zu einem Timeout, um sich noch einmal für die letzten Minuten einzuschwören und taktische Kniffe zu besprechen, allenfalls den Torhüter zu ersetzen falls notwendig. Dazu kam es allerdings nicht, denn kurz vor Ende der regulären Spielzeit glich Regensdorf erneut aus. In der Folge passierte nicht mehr viel, keines der beiden Teams wollte den entscheidenden Fehler begehen und so kam es, wie es an diesem spannungsgeladenen Abend kommen musste: Verlängerung mit Golden Goal.

Alfred Hitchcock hätte sich wohl kein besseres Ende für einen seiner Thriller ausdenken können. Was die beiden Teams auf dem Feld boten liess ein manches Herz schneller schlagen, die Stimmung war geladen und die Spannung war beinahe physisch greifbar. Die Entscheidung musste also in der Verlängerung her, Sudden Death, Golden Goal – oder martialisch ausgedrückt: Do or die. Wie so oft an diesem Abend gewann Regensdorf das Bully zum Auftakt in die Verlängerung. Beide Teams bedacht darauf ihre Aufgaben konzentriert und zu 100% zu lösen. Regensdorf ihrerseits hielt den Ball lange in den eigenen Reihen, die Traktoren boten defensiv nichts an und waren an ihren Mannen. Konträr zu den ersten 60 Minuten entwickelte sich ein Spiel ohne grosses Risiko, keine Fehlpässe, keine unnötigen Rushes, keine unüberlegten Abschlüsse. Die Zeit verstrich, hie und da gab es mal eine Halbchance auf Buchberger Seite – ein Freistoss zu wenig platziert im Eck gehalten vom Torhüter, ein Gewühl vor dem Tor mit dem besseren Ende für Regensdorf. Und dann kam sie, die entscheidende, letzte Szene. 70 Minuten Unihockey völlige Makulatur ob einer Chance. J. Graf, als junger Burscht zu den Traktoren gestossen, in die weite Welt der Nati A, Nati B und Schweden gezogen, auf diese Saison zurückgekehrt in die alte Heimat fasste sich 46 Sekunden (!) vor dem Ende, wenige Augenblicke vor einem Penaltyschiessen ein Herz und zog ums Tor, liess seinen Gegenspieler stehen und versenkte den Ball in die Maschen. Ekstase, Eskalation, Erleichterung. Gute Nachricht zuerst: das Dach der neuen Halle scheint statisch zu «verhebe», doch die Zuschauermasse brachte die Halle zum Beben. Zum Abschluss wurden auf beiden Seiten die beiden 5-fach Torschützen, J. Marty (Regensdorf) und L. Kern (Traktor) zum Best Player ausgezeichnet.

Rise to the occasion – über sich hinauswachsen. Das taten an diesem Abend alle Beteiligten und belohnten sich mit einem unvergesslichen Anlass. «10 vor 10» auf SRF? Gibt’s auch in der Wiederholung auf SRF Info. RTL Nachtjournal? Braucht sowieso niemand. Nach Spielschluss feierte man noch ein wenig mit den dagebliebenen Fans, fachsimpelte, stiess an, liess die vergangenen 3 Stunden Revue passieren und freute sich einfach an der gelungen (inoffiziellen) Einweihung der neuen Sporthalle in Rüdlingen.

Ostern sei Dank bleiben den Traktoren nun 2 Wochen Erholungszeit, um sich für das zweite und vielleicht schon entscheidende Spiel vorzubereiten. In dieser Best-of-3 Serie haben sich die Herren nun einen Matchball auswärts in Regensdorf erspielt. Um diesen auch im Feld zu versenken sind wir natürlich auf unsere Fans angewiesen. Kommt also alle gerne so zahlreich, wie möglich und erlebt mit uns noch einmal ein unvergessliches Spiel.

Für’s 1
Cuche

Und jetzt heisst es Kalender zücken und eintragen:

Game 2: Wehntal Regensdorf vs. Traktor 1, 11. April, 14.00 Uhr, Ort: (Pemo Arena, Buchs ZH)

Evtl. Game 3: Traktor 1 vs. Wehntal Regensdorf, 12. April, 13.30 Uhr, Ort: Sporthalle Rüdlingen

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